Letzte Aktualisierung am 28. September 2017

TERMINE (Treffen / Vorträge / Ausstellungen / Veranstaltungen / Sonstiges)

Bei Vorträgen an Volkshochschulen (VHS) bitte direkt dort anmelden und Termin vor Beginn der Veranstaltung dort prüfen. Es kann vorkommen, dass Vorträge wegen zu geringer Beteiligung abgesagt werden.

Vorträge oder Ausstellungen sind auch auf Anfrage möglich !


Auf Grund der großen Nachfrage und für einen optimalen Austausch bietet die IGEF ab sofort Treffen in verschiedenen Regionen Bayerns. Teilnehmen können Mitglieder und auch Interessierte ohne Mitgliedschaft. Bitte vorher anmelden !

  • Treffen Ost - Oberbayern: Die Treffen finden ca. alle 4 Wochen im Landkreis Ebersberg südöstlich von München statt (nächstes Treffen wird demnächst bekannt gegeben). Kontakt
  • Treffen West - Oberbayern: Die Treffen finden ca. alle 3 Monate im Landkreis Bad-Tölz - Wolfratshausen statt (nächstes Treffen wird demnächst bekannt gegeben). Kontakt
  • Treffen Niederbayern: Die Treffen finden ca. 3 x im Jahr im Landkreis Passau statt (genaue Angaben zu Ort und Zeit des nächsten Treffens auf Anfrage). Kontakt
  • Vortrag "Schrazelloch und Arme Seelen - Das Rätsel der Erdställe": 31. Januar 2018, (VHS Peißenberg) Huglfing, Beginn 18:00 Uhr, Referent: Karl Wilhelm (Anmeldung über VHS Peißenberg)
  • Vortrag "Schrazelloch und Arme Seelen - Das Rätsel der Erdställe": 09. Februar 2018, Denkmalverein Penzberg, Beginn 19:00 Uhr, Referent: Karl Wilhelm
  • Die Künstliche Höhle 2018: Erscheinungstermin des IGEF Mitteilungsblattes ca. April/Mai 2018.

Erdstallforscherin Edith Bednarik verstorben

Edith

Edith Bednarik im Jahr 2007 bei der Vermessung im Erdstall Gschweicher, Röschitz Niederösterreich, Foto: D. Ahlborn

(28.09.2017)

Am 10. September 2017 ist Frau Edith Bednarik nach schwerer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstorben.

Edith Bednarik war ein Urgestein der Erdstallforschung. Ihre Passion waren zunächst die Naturhöhlen, bis sie sich nach einem Höhlenunfall für die Erdställe zu interessieren begann und diesen über viele Jahre bis zuletzt treu geblieben ist. Die Hauptaufgabe die sich Edith gestellt hatte, war es sämtliche von Lambert Karner (Künstliche Höhlen aus Alter Zeit, Wien 1903) erwähnten Erdställe in Niederösterreich und darüber hinaus zu verifizieren, nachzumessen und aktuell zu protokollieren. Dabei entdeckte Edith immer wieder in Vergessenheit geratene und unbekannte Erdställe. Sie war eine Gegnerin der Verstecktheorie und sah in den Erdställen viele ungelöste Rätsel. In diesem Zusammenhang verfasste sie interessante Beiträge u.a. zu möglichen Verschlussvorrichtungen in den Erdställen ("Bednarik Edith, Verschlüsse, in: Der Erdstall Nr. 32, Roding 2006" und "Bednarik Edith, Nachtrag zum Artikel "Die Rätsel von Kleinzwettl" im Erdstallheft Nr. 37, in: Der Erdstall Nr. 39, Graß / Aying 2013"). Mit Edith Bednarik ist der Erdstallforschung eine wichtige Akteurin und eine überaus liebenswerte Person verloren gegangen.

Exkursion des Kultur- und Geschichtsvereins e.V. Windorf

Münzkirchen Wösner
Blick durch den ausgeräumten Hilfsschacht im Erdstall Münzkirchen, Innviertel / Österreich.


(27.10.2017)

Herbstausflug des Kultur- und Geschichtsvereins e.V. Windorf in das geschichtsträchtige Münzkirchen im österreichischen Innviertel.

Die Fahrt wurde vom Vorsitzenden Werner Voggenreiter organisiert und von den Erdstallforschern Udo Tolksdorf und Dieter Ahlborn begleitet. Nach einer kleinen Einführung zum Thema Erdstall im Gasthof Wösner ging es schon in den hauseigenen Erdstall, diesmal unter der Führung von Johann Höller, ehem. Bürgermeister und Heimatforscher in Münzkirchen. Höller hat den Erdstall vor vielen Jahren erst begehbar gemacht und kümmert sich um den Erhalt der Anlage.

Der Erdstall in Münzkirchen ist eine Besonderheit, denn er ist komplett erhalten. Die meisten Erdställe sind nur Fragmente oder sogar komplett zerstört. Der Erdstall wurde über einen Hilfsschacht gegraben und in der Umfahrung mit einer überaus hohen Schlupfröhre ausgestattet. Der originale Einstieg im Keller des Wirtshauses ist mit einer Trockenmauer ausgelegt und mit schweren Steinplatten überdeckt. Nach 4,5 m wird ein Quergang erreicht, der an der nördlichen Stirnseite drei kleeblattförmig angeordnete Sitznischen aufzeigt. Am südöstlichen Ende des Querganges wird ein teilweise ausgeräumter Bauhilfsschacht erreicht, der heute mit einem eine Etage höher gelegenen Gangabschnitt in Verbindung steht. Von dort führt ein Seitengang zu zwei Sitznischen. Über den Hauptgang wird am südlichen Ende des Erdstalles eine Schlusskammer mit drei weiteren Sitznischen erreicht.

Nach der Besichtigung des Erdstalles führte Höller die Mitglieder des Kultur- und Geschichtsvereins durch die Pfarrkirche und auf ein Schlachtfeld aus dem 17. Jh.. Hier besiegte ausnahmsweise das bayerische Heer gegen Ende des spanischen Erbfolgekrieges unter Kurfürst Max Emanuel die Österreicher. Das Schlachtgeschehen wurde von Johann Höller eindrucksvoll geschildert und in einem Diorama im Heimathaus von Münzkirchen sehr anschaulich nachgestellt.

Der Erdstall kann im Zusammenhang mit einem Besuch im Gasthof Wösner in Münzkirchen gegen einen kleinen Unkostenbeitrag besichtigt werden.

Siehe auch unter Beispiele

Neues Mitteilungsblatt "Die künstliche Höhle" erschienen !

Dieter Ahlborn (11.05.2017)

Ab sofort erhältlich: Das neue Mitteilungsblatt der Interessengemeinschaft Erdstallforschung IGEF, Die künstliche Höhle, 2017.

Schwerpunkte dieser Ausgabe sind unter anderem die Bauweise der Erdställe über einen Hilfsschacht und die für die Erdställe bezeichnenden Schlupfe. Die Informationen werden in den Berichten zu den Erdställen in Peiß und Aying (beides Lkr. München) sowie in einem Beitrag des österreichischen Forschers Josef Weichenberger wiedergegeben.

Stammen die Erdställe aus prähistorischer Zeit ?

Dieter Ahlborn (19.07.2016)

Der Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V. veröffentlicht in seinem Jahresheft DER ERDSTALL Nr. 42 einen Bericht von Dr. Heinrich Kusch mit dem Titel „Zur archäologischen Untersuchung des Kandelhofer – /Kandlhofer Erdstalles bei Puchegg, Steiermark, Österreich“. Bereits in der Einführung wird die Datierung dieses Erdstalles in prähistorische Zeit gelegt. Ausschlaggebend dafür ist die Untersuchung einer Steinplatte, die im Zusammenhang mit einer Steinsetzung im Erdstall als Überdeckung diente. Die Platte wurde mittels TCN - Datierung auf ein Alter von 23.965 Jahre +/- 694 Jahre datiert.[1]

Der interessierte Forscher muss bei diesem Ergebnis aufhorchen, denn in den Gebieten nördlich der Alpen konnte das Alter der Erdställe in den letzten Jahren immer mehr eingegrenzt und in die Zeit zwischen 800 n.Chr. bis ca. 1.200 n.Chr. gelegt werden. Als Nachweis gelten die Siedlungsgeschichte (archäologische Untersuchungen an Wüstungen mit Erdstallvorkommen), sowie einzelne Datierungen von Holzkohle in zweifelsfreien Fundlagen.[2]

Das angebliche Alter von ca. 24.000 Jahren des Erdstalles Kandel-/Kandlhofer wurde mittels einer Oberflächenexpositionsdatierung festgestellt. Es handelt sich um eine geochronologische Methode zur Erforschung der Landschaftsentwicklung, die zur Altersbestimmung von Gletscherbewegungen oder Erosionsprozessen angewendet wird. Mit Hilfe von quantitativ bestimmten Radionukliden wird die Zeit, in welcher eine Gesteinsoberfläche der Erdoberfläche ausgesetzt war, unter bestimmten Annahmen berechnet. Im Fall von prähistorischen Gletscherbewegungen kann, nachdem ein Gletscher die Gesteinsoberfläche freigegeben hat, bestimmt werden, wie lange die neue Oberfläche der kosmischen Strahlung ausgesetzt war, also seit wann der Gletscher sich zurückgezogen hat.[3] Die Methode ist auch als TCN – Methode bekannt. Sogenannte „Terrestrische kosmogene Nuklide (Terrestrial Cosmogenic Nuklides)“ werden durch Kernreaktion von Teilchen der kosmischen Strahlung mit irdischen Oberflächengesteinen produziert. Diese eignen sich dann für entsprechende geologische oder geomorphologische Anwendungen wie eben der Datierung von Oberflächenformen.[4]

Dem Aufsatz von Herrn Dr. Kusch folgend wurde dem Bodendenkmal Kandel-/Kandlhofer Erdstall eine Steinplatte aus einer nachträglich (?) eingebrachten Steinsetzung entnommen „…Durch den sekundär erfolgten Einbau der Trockenmauerpassage gab es die Möglichkeit, eine der bearbeiteten Deckplatten mittels TCN – Datierung zu untersuchen….“[5] Die Beprobung fand am Institut für Erdwissenschaften der Karl-Franzens Universität in Graz statt. Die Altersbestimmung, von Herrn Dr. Kusch als Bearbeitungsalter der Steinplatte interpretiert„…Das von der Universität in Glasgow ermittelte Bearbeitungsalter der durch den frühen Menschen in den Erdstall eingebrachten Steinüberlage …“[6], wurde vom Scottish Universities Environmental Research Centre der Universität Glasgow ermittelt. Tatsächlich wurden entsprechende Nuklide im Quarz der Steinplatte nachgewiesen.

Die Altersbestimmung des Kandel-/Kandlhofer Erdstalles im Aufsatz des Herrn Dr. Kusch basiert allerdings auf einer Fehlannahme, denn die 24.000 Jahre sind ganz einfach das Verwitterungsalter der Steinplatte in der Natur (Anwendung findet die TCN Methode für Zeiträume, in welchen ein Gestein der kosmischen Strahlung ausgesetzt war), selbst wenn die Platte ein paar cm nachbearbeitet wurde. Für eine Altersbestimmung der Bearbeitungsspuren müsste die Platte aus einem Steinbruch mit einer Mindestüberdeckung von 1 m herausgearbeitet worden sein. Zudem deckt sich die 24.000 Jahr - Datierung mit Probemessungen an unterschiedlichen Gesteinen in der Steiermark und weist damit auf erdgeschichtliche Vorgänge hin und nicht auf das Alter einer Erdstallanlage.[7] Vermutlich hat man die herumliegende Platte im Mittelalter der Natur entnommen, ein wenig nachbearbeitet und im Erdstall verbaut. Dies wäre noch heute die typische Vorgehensweise für das Setzen einer Trockenmauer.

Der Aufsatz beinhaltet weitere Interpretationen zu Funden, die ebenfalls nur wenig mit dem heute bekannten Alter der Erdställe zu tun haben. Unterstützt von einwandfreien Zeichnungen zu geborgener Keramik, entsteht auf den ersten Blick zwar ein sehr komplexer Eindruck. Allerdings fehlen sämtliche Quellenangaben. Im Text werden lediglich Institutionen und in der Danksagung Personen erwähnt, die an den jeweiligen Arbeiten beteiligt waren. Die wissenschaftliche Methodik, insbesondere zur TCN - Datierung, wird nicht weiter erläutert.

Laut Herrn Dr. Kusch zählt der Erdstall Kandelhofer/Kandlhofer „…. heute zu den am genauesten archäologisch untersuchten Erdställen in der Steiermark.“[8] Ein erneuter Widerspruch, solange kein weiterer, fundierter Bericht mit ausreichend Quellenangaben vorliegt. Der gesamte Aufsatz ist auf ein möglichst wissenschaftliches Erscheinungsbild getrimmt, die wichtigsten Merkmale hierfür fehlen aber gänzlich. Die Vermischung wissenschaftlicher Techniken mit zahlreichen Eigeninterpretationen machen die aufgestellten Behauptungen am Ende unglaubwürdig. Möglicherweise festgestellte Tatsachen können als solche nicht mehr erkannt werden. Damit ist der Aufsatz von Herrn Dr. Kusch zum Kandel-/Kandlhofer Erdstall für eine ernst gemeinte Erdstallforschung wertlos. Die bisherige Altersbestimmung der Erdställe (ca. 800 n.Chr. bis ca. 1200 n.Chr.) bleibt unbeeinflusst.

Gemäß seiner neuen Satzung propagiert der Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V. die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege, “…unterstützt wissenschaftliche Auswertungen von archäologischen Grabungen und die Herausgabe der Jahresschrift „DER ERDSTALL“.[9] In diesem Zusammenhang sollte der Verein Dr. Kuschs Bericht zum Kandelhofer/Kandlhofer Erdstall entsprechend kommentieren, da der Arbeitskreis sonst in der Öffentlichkeit an Glaubwürdigkeit verliert.

Quellen


[1] Kusch Dr. Heinrich, Zur archäologischen Untersuchung des Kandelhofer – /Kandlhofer Erdstalles bei Puchegg, Steiermark, Österreich, in:Der Erdstall Nr.42, Neukirchen - Balbini 2016, S.12-35

[2] Weichenberger Josef, Das Alter der Erdställe, in: Der Erdstall Nr.39, Aying 2013. Internet: http://www.erdstallforschung.at/?p=641 abgerufen am 14.07.2016., Krenn Dr. Martin, Erdställe im archäologischen Kontext der mittelalterlichen Wüstung Aichenstauden, Niederösterreich, in: Der Erdstall Nr. 39, Aying 2013., Neckuda Vladimir, Erdställe in den mittelalterlichen Wüstungen Mährens, in: Der Erdstall Nr. 18, Roding 1992.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Oberfl%C3%A4chenexpositionsdatierung, abgerufen am 11.07.2016.

[4] http://www.gfz-potsdam.de/sektion/anorganische-und-isotopengeochemie/projekte/cronus-eu/ abgerufen am 11.07.2016

[5] Kusch Dr. Heinrich, - S.24

[6] Kusch Dr. Heinrich, - S.12

[7] Nachfrage per e-mail an der Karl Franzens Universität in Graz am 05.Juli 2016 durch den Verfasser.

[8] Kusch Dr. Heinrich, - S.12

[9] http://erdstall.de/satzung.html, abgerufen am 14.07.2016.

Erdstall Aying: Ziemlich teuer aber trotzdem gut !

(16.01.2017 und 08.03.2017) Die Sicherung des Erdstalles in Aying verschlingt einen ganzen Batzen Geld. Laut Münchner Merkur werden es lockere 235.000 Euro sein, die für eine bergmännische Verbauung des Erdstalles hingeblättert werden müssen. Damit wäre der Erdstall dann für die Nachwelt gesichert und eine Überbauung kann unproblematisch stattfinden. Betroffen ist dabei übrigens nur der lange Hauptgang. Der Bereich unter dem Friedhof und die Schlußkammer bleiben unberührt. Ob der Summe mag sich manch einer wundern und es wird sicher schwer sein, Nachahmer zu finden. Dennoch, ein ehrgeiziges Projekt und die Rettung der weitgehenden Substanz eines Erdstalles ! Wer die Angelegenheit genau verfolgt hat, wird am 16. Dezember 2016 einem Radiobericht mit Herrn Dr. Haberstroh (Referatsleiter BLfD München) entnommen haben, dass das Landesamt für Denkmalpflege in Zukunft Zuschüsse erteilen wird, wenn es um die Erhaltung von Bodendenkmälern geht (und Aying wurde hierbei genannt). Damit soll der Grundstückseigentümer nicht mehr auf den gesamten Kosten sitzen bleiben. Wollen wir der Freizügigkeit dieses Herrn im Landesamt Glauben schenken und uns freuen, dass die Summe für die Erhaltung des Erdstalles in Aying nicht zu einem abschreckenden Beispiel wird. Was das Landesamt an Kosten dort letztendlich übernimmt wird sich noch herausstellen. Eine Beteiligung wäre sehr wünschenswert, denn im Verbund Gemeinde, Eigentümer, Landesamt wäre die Summe vielleicht finanzierbar und am Ende doch noch ein positives Beispiel.

PR Bericht Münchner Merkur vom 08.03.2017

PR Bericht Münchner Merkur vom 16.01.2017

Höhlentier des Jahres 2017

(11.01.2017) Das Höhlentier des Jahrs 2017 ist die Vierfleck - Höhlenschlupfwespe (Diphyus quadripunctorius). Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher hat diese Schlupfwespenart zum "Höhlentier 2017" gewählt. Die Tiere überwintern in großer Zahl in Naturhöhlen, Bergwerksstollen, Felsenkellern und sicher auch in einigen Erdställen. Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe steht für eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind.

Weiter Informationen: Vierfleck - Höhlenschlupfwespe

Fernsehbeitrag: Erdställe in Viechtach

(21.11.2016) Neuer BR - Film von Sandra Wiest. In der Fortsetzung zur bereits erwähnten Aktion der IGEF im Schulbäckhaus in Viechtach, zeigt der Beitrag die Arbeiten vor Ort. Daneben werden authentische Aufnahmen aus dem Erdstall Zinkenried (Markt Teisnach, Landkreis Regen) gezeigt. Im Film wird eine gute Spannung aufgebaut und sachlich berichtet. Unbedingt sehenswert !

Neuer Erdstall im Landkreis Freyung Grafenau

(17.11.2016) Bei Bauarbeiten wurde in Mösing, Gemeinde Jandeslbrunn im Landkreis Freyung Grafenau vor wenigen Tagen durch Zufall ein Erdstall entdeckt. Der Fund liefert möglicherweise neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte des Unteren Bayerischen Wald. Es ist die erste Erdstallentdeckung in der Region um Jandeslbrunn. Der Erdstall liegt in unmittelbarer Nähe zu einem mittelalterlichen Handelsweg und wurde in grobförmigen Flins gegraben. Eine Begehung ist wegen der starken Verwitterung des instabilen Materials nur mir größter Vorsicht möglich. Bisher konnten gesamt ca. 12 m Gang mit Abzweigungen erkannt werden.

Informativer Fernsehbeitrag zum Thema Erdstall !

Aying Eingang

(29.10.2016) Aktuell und informativ berichtet Sabine Frühbuss über das Thema Erdstall. Dabei greift sie die gängigen Hypothesen zur Zweckbestimmung auf und zeigt den Einsatz moderner Vermessungstechnik. Damit entsteht ein sehr schöner Überblick zum aktuellen Forschungsstand. Absolut sehenswert !

Kein neuer Erdstall im Schulbäckhaus in Viechtach

(20.10.2016) Vergangenen Samstag konnten Mitglieder der IGEF im ältesten, noch erhaltenen Haus der Stadt Viechtach nach einem vermuteten Erdstall graben. Leider war das Ergebnis negativ. In zwei Meter Tiefe tauchte die Sohle des Schachtes im anstehenden Fels auf und zeigte Löcher einer Sprengbohrung. Auch das ausgebrachte Material deutet auf eine Sprengung hin. Warum, wer oder wann hier jemand am Werk war ist ein fast so großes Rätsel wie die Erdställe.

Vermessung des Erdstalles in Aying abgeschlossen

Plan Aying

Dieter Ahlborn (08.10.2016)

Die vom Landesamt für Denkmalpflege beauftragte Vermessung des Erdstalles in Aying wurde von der Interessengemeinschaft für Erdstallforschung IGEF abgeschlossen. Eine detaillierte Dokumentation ist in Arbeit. Der Plan zeigt deutlich eine Hilfschachtumfahrung und eine Schlusskammer mit drei Nischen. Die kreuzförmige Kammer erinnert an den Erdstall Reichersdorf. Im Grundriss ist dort dieselbe Architektur einer sehr kleinen Kammer erkennbar. Der Erdstall in Reichersdorf erhielt durch diese bei seiner Entdeckung im Jahr 1640 den Namen "Kreuzgruft" und es stellte sich eine Wallfahrt ein. Die Forschung hält dies für einen Beleg, dass die Erdställe im 30 jährigen Krieg nicht als Verstecke genutzt wurden.

Neuer Erdstall in Aying, Landkreis München entdeckt

Aying Andi Gang 1

Dieter Ahlborn (13.09.16)

Sensationell gut erhaltene Erdstallanlage in Aying, Lkr. München

Bei Bauarbeiten im Pfarrgarten der Gemeinde Aying wurde am Ende der vergangenen Woche ein beinahe vollständig erhaltener Erdstall angeschnitten. Die Anlage weist mehrere Besonderheiten auf. Gegensätzlich der bestehenden Typisierung für Oberbayern (langgezogene Gänge ohne Kammern) ist der Erdstall in Aying mit einer vergleichsweise geräumigen Schlusskammer ausgestattet. Zudem zeichnet sich im Grundriss die Umgehung eines Hilfschachtes ab. Diese Schächte, über welche zur Bauzeit des Erdstalls Material nach draußen befördert worden ist, sind bis jetzt nur aus den östlichen Regionen Bayerns bekannt. Sehr beeindruckend ist auch der etwa 40 m lange Hauptgang der Anlage (siehe Abb.).

Die Gemeinde Aying und der Pfarrverband sind sich einig, dass möglichst viele Teile des Erdstalles erhalten bleiben sollen. Die Bauplanung und die Ausführenden Arbeiter zeigen großes Verständnis. Alles in allem eine vorbildliche Zusammenarbeit. Der Erdstall wurde von IGEF Mitgliedern im Auftrag des Pfarrverbandes und des Landesamtes für Denkmalschutz vermessen. Eine Dokumentation ist in Arbeit. Weitere Informationen folgen.

Ab 24. September zeigt die Gemeinde Aying und die Brauerei Inselkammer im Sixthof eine Ausstellung zur 1225 Jahrfeier der Gemeinde, 650 Jahre Filialkirche Peiß und 50 Jahre Schutzgemeinschaft Hofoldinger Forst. In der Ausstellung werden erste Bilder zum Erdstall gezeigt sowie die Erdstallanlage im benachbarten Ortsteil Peiß dargestellt.

PR Bericht Münchner Merkur (12.09.16)

PR Bericht Süddeutsche Zeitung

PR Bericht in der tz

PR Bericht Münchner Merkur (16.09.16)

Info auf Antenne Bayern

Erdstallforscher sind keine Raubgräber !

Erdställe sind Bodendenkmäler. Die Erdstallforschung, ob organisiert oder nicht, erkennt die Erdställe als solche an. Die ehrenamtliche Arbeit an einem Erdstall kann nicht als "Raubgrabung" bezeichnet werden. Daran kann auch die Meinung einzelner Mitarbeiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege nichts ändern.

Was ist ein Raubgräber ?

Wikipedia definiert wie folgt: "Eine Raubgrabung ist das gezielte Nachsuchen nach ortsfesten oder mobilen Bodendenkmälern entgegen den Rechtsnormen, die das Graben nach Bodendenkmälern regeln. In der Regel werden sie unter Missachtung wissenschaftlicher Standards durchgeführt und zerstören den Quellenwert von Funden und Befunden. Als Hauptmotiv gilt der als Antikenhehlerei bezeichnete illegale Handel mit archäologischen Funden und Kunstobjekten. (Quelle: Wikipedia, siehe auch im Link). Ein Raubgräber ist also primär jemand, der (mit Hilfe eines Metalldetektors) nach wertvollen, antiken Gegenständen sucht.

Was ist ein Erdstallforscher ?

Das Bodendenkmal Erdstall (das ist allgemein bekannt) gilt als fundleer. Es ist einer der Gründe, warum die Erdstallanlagen immer wieder verschoben und zerstört werden, auch mit amtlicher Zustimmung. Für eine beweisführende Wissenschaft wie der Archäologie sind die fundleeren Anlagen nur bedingt interessant und es kostet Geld diese amtlich zu erforschen. Es hat sich daher über die Zeit ein ehrenamtliches Engagement entwickelt, welches sich (organisiert oder unabhängig) um die Erdställe kümmert. Ziel der praktischen Erdstallarbeit ist dabei nicht das Aufspüren wertvoller Gegenstände, sondern das erfassen, vermessen und dokumentieren der Erdställe. Im Laufe der Zeit konnten so zahlreiche Dokumentationen erstellt und viele Erdställe der Nachwelt erhalten werden. Sicher ist die Situation in den verschiedenen Bundesländern und Regionen unterschiedlich, für weite Teile Bayerns darf gesagt werden, dass es ohne das über 40 jährige Ehrenamt verschiedener Erdstallforscher kaum eine erwähnenswerte Anzahl an dokumentierten oder geretteten Anlagen gäbe. Die Zahl für Bayern liegt heute bei etwa 700 bekannten Erdställen.

Der große Unterschied zwischen einem Raubgräber und einem Erdstallforscher liegt darin, dass der Raubgräber mit dem Ziel arbeitet sich zu bereichern, der Erdstallforscher dagegen investiert unentgeltlich Zeit. Er kämpft sensibel um den Erhalt und um die allgemeine Anerkennung der Erdställe als Bodendenkmal.

Die Fachzeitschrift "Bayerische Archäologie" veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe (Heft 3 / 2015) einen informativen Bericht mit dem Titel "Umgang mit Sondengängern: Kooperation oder Ausgrenzung ?"

Bayerische Archäologie Heft 3 / 2015

Neues Buch zum Thema Rundgangerdstall !

(Oktober 2015) Neues Buch zum Thema Rundgangerdstall von Eric Clavier. Das über die Groupe de Recherches Archéologiques de la Loire veröffentlichte Buch beschäftigt sich mit den Rundgangerdställen des "Mont du Forez", dabei entwickelt Eric Clavier den Beginn einer fundierten Typisierung der Erdställe. Der Titel "Les souterrains médiévaux des Monts du Forez" (mehr siehe link).

Erdställe in Israel ?

Erdstall in Israel

In jüngster Zeit wurde ein weiteres Verbreitungsgebiet der Erdställe bekannt. In den altisraelischen Gebieten Judäas scheint der Bau unterirdischer Anlagen eine reiche Tradition gehabt zu haben (Abb.: Als Lagerraum bezeichnete Kammer in der Anlage von H. Tabaq , Israel. Rechts im Bild ein Vertikalschlupf mit rechteckiger Vertiefung für eine Abdeckung. Foto: Boaz Zissu). Die als Versteck gedeuteten Anlagen haben alle notwendigen Merkmale der Erdställe und sind insbesondere vergleichbar mit verschiedenen Anlagen in Frankreich. Dort wurden sie, ebenso wie in Israel, nicht selten in Verbindung mit Nutzbauten erstellt, bzw. unterirdische Nutzbauten wurden zu Erdställen erweitert und in der Regel ebenso meist als Versteck interpretiert.

Die Entstehung der unterirdischen Anlagen in Israel wird von den Archäologen vor oder in die Zeit des Bar-Kochba-Aufstandes gelegt. Dieser Aufstand fand von 132 bis 136 n. Chr. statt und bedeutete nach dem ersten jüdischen Krieg (66 bis 73 n. Chr.) die endgültige Zerstörung der noch verbliebenen Reste eines geschlossenen, jüdischen Siedlungsgebietes. Der Bar-Kochba-Aufstand gilt als Auslöser der Diaspora. Das jüdische Volk, oder das was von ihm noch übrig geblieben war, wurde heimatlos. Wer die Massaker überlebt hatte und nicht fliehen konnte, wurde in die Sklaverei verschleppt.

Für die Zeit zwischen dem Niedergang der altjüdischen Kultur Israels bis zu den ersten Judenverfolgungen im Mittelalter gibt es keine lückenlose Berichterstattung zur Geschichte des jüdischen Volkes nördlich der Alpen. Die ersten größeren Siedlungen nach der Diaspora sind zunächst in Spanien, dann in Nordwestfrankreich und in der Rheinregion belegt. In diesen Gebieten gibt es auch Erdställe. Der größte der jüdischen Stämme, das Volk der Aschkenasim ist von Osten her nach Böhmen und Bayern eingewandert. Es gibt Überlegungen, welche die Erdställe mit „slawischen“ Einwanderungen nach Bayern in Verbindung bringen und einige wenige sehen sogar einen Zusammenhang zwischen den Erdställen und dem Sklavenhandel. Tatsächlich erhielten die Juden 825 n. Chr. von Ludwig dem Frommen die Privilegien für einen Sklavenhandel zwischen Spanien und Böhmen.

War es das jüdische Volk, den Datierungen der Anlagen in Israel folgend, welches die Idee des Erdstallbaus geboren hatte und nach Mitteleuropa brachte ? Als Versteck oder Kultstätte könnten sie von einem traumatisierten, heimatlosen Volk über Jahrhunderte hinweg in geheimem Wissen immer wieder erbaut oder überliefert worden sein. Schließlich wird durch die kulturelle Isolation der Juden das Fehlen jeglicher Hinweise zu den Erdställen in der historischen Literatur völlig plausibel. Zudem ist die flächige Verbreitung der Erdställe so lückenhaft wie es nur ein regionales Brauchtum sein kann, welches von einer bestimmten Volksgruppe über die Jahrhunderte hinweg getragen wird.

Lesen Sie einen Beitrag (in englischer Sprache) zu den Erdställen in Israel von Boaz Zissu und Amos Kloner, Land of Israel and Archaelogy Department, Bar Ilan University. Erstveröffentlichung in: Der Erdstall Nr. 40. Aying 2014. (Siehe auch unter Medien/Download)

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