Ausstellungen / Vorträge / Veranstaltungen / Sonstiges

Bei Vorträgen an Volkshochschulen (VHS) bitte direkt dort anmelden und Termin vor Veranstaltungsbeginn dort prüfen. Es kann vorkommen, dass Vorträge wegen zu geringer Beteiligung abgesagt werden. - Vorträge oder Ausstellungen sind auch auf Anfrage möglich !

  • April/Mai 2017: Neue Ausgabe von "Die künstliche Höhle", Mitteilungsblatt der Interessengemeinschaft Erstallforschung IGEF.
  • 09. Mai 2017: VHS Vortrag, Erdställe im Oberland, Beginn 19:00 Uhr, Veranstaltungsort: VHS Holzkirchen, Referent: Dieter Ahlborn
  • 09. Mai 2017: VHS Vortrag, Schrazelloch und Arme Seelen, Beginn: 19:30 Uhr, Veranstaltungsort: VHS Bruckmühl, Referent: Karl Wilhelm
  • Treffpunkt für Alle, die an einem Austausch über das Phänomen der Erdställe interessiert sind. Die Treffen finden ca. alle 4 Wochen in der Region südöstlich von München statt (genaue Angaben zu Ort und Zeit auf Anfrage). Kontakt

Stammen die Erdställe aus prähistorischer Zeit ?

Dieter Ahlborn (19.07.2016)

Der Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V. veröffentlicht in seinem Jahresheft DER ERDSTALL Nr. 42 einen Bericht von Dr. Heinrich Kusch mit dem Titel „Zur archäologischen Untersuchung des Kandelhofer – /Kandlhofer Erdstalles bei Puchegg, Steiermark, Österreich“. Bereits in der Einführung wird die Datierung dieses Erdstalles in prähistorische Zeit gelegt. Ausschlaggebend dafür ist die Untersuchung einer Steinplatte, die im Zusammenhang mit einer Steinsetzung im Erdstall als Überdeckung diente. Die Platte wurde mittels TCN - Datierung auf ein Alter von 23.965 Jahre +/- 694 Jahre datiert.[1]

Der interessierte Forscher muss bei diesem Ergebnis aufhorchen, denn in den Gebieten nördlich der Alpen konnte das Alter der Erdställe in den letzten Jahren immer mehr eingegrenzt und in die Zeit zwischen 800 n.Chr. bis ca. 1.200 n.Chr. gelegt werden. Als Nachweis gelten die Siedlungsgeschichte (archäologische Untersuchungen an Wüstungen mit Erdstallvorkommen), sowie einzelne Datierungen von Holzkohle in zweifelsfreien Fundlagen.[2]

Das angebliche Alter von ca. 24.000 Jahren des Erdstalles Kandel-/Kandlhofer wurde mittels einer Oberflächenexpositionsdatierung festgestellt. Es handelt sich um eine geochronologische Methode zur Erforschung der Landschaftsentwicklung, die zur Altersbestimmung von Gletscherbewegungen oder Erosionsprozessen angewendet wird. Mit Hilfe von quantitativ bestimmten Radionukliden wird die Zeit, in welcher eine Gesteinsoberfläche der Erdoberfläche ausgesetzt war, unter bestimmten Annahmen berechnet. Im Fall von prähistorischen Gletscherbewegungen kann, nachdem ein Gletscher die Gesteinsoberfläche freigegeben hat, bestimmt werden, wie lange die neue Oberfläche der kosmischen Strahlung ausgesetzt war, also seit wann der Gletscher sich zurückgezogen hat.[3] Die Methode ist auch als TCN – Methode bekannt. Sogenannte „Terrestrische kosmogene Nuklide (Terrestrial Cosmogenic Nuklides)“ werden durch Kernreaktion von Teilchen der kosmischen Strahlung mit irdischen Oberflächengesteinen produziert. Diese eignen sich dann für entsprechende geologische oder geomorphologische Anwendungen wie eben der Datierung von Oberflächenformen.[4]

Dem Aufsatz von Herrn Dr. Kusch folgend wurde dem Bodendenkmal Kandel-/Kandlhofer Erdstall eine Steinplatte aus einer nachträglich (?) eingebrachten Steinsetzung entnommen „…Durch den sekundär erfolgten Einbau der Trockenmauerpassage gab es die Möglichkeit, eine der bearbeiteten Deckplatten mittels TCN – Datierung zu untersuchen….“[5] Die Beprobung fand am Institut für Erdwissenschaften der Karl-Franzens Universität in Graz statt. Die Altersbestimmung, von Herrn Dr. Kusch als Bearbeitungsalter der Steinplatte interpretiert„…Das von der Universität in Glasgow ermittelte Bearbeitungsalter der durch den frühen Menschen in den Erdstall eingebrachten Steinüberlage …“[6], wurde vom Scottish Universities Environmental Research Centre der Universität Glasgow ermittelt. Tatsächlich wurden entsprechende Nuklide im Quarz der Steinplatte nachgewiesen.

Die Altersbestimmung des Kandel-/Kandlhofer Erdstalles im Aufsatz des Herrn Dr. Kusch basiert allerdings auf einer Fehlannahme, denn die 24.000 Jahre sind ganz einfach das Verwitterungsalter der Steinplatte in der Natur (Anwendung findet die TCN Methode für Zeiträume, in welchen ein Gestein der kosmischen Strahlung ausgesetzt war), selbst wenn die Platte ein paar cm nachbearbeitet wurde. Für eine Altersbestimmung der Bearbeitungsspuren müsste die Platte aus einem Steinbruch mit einer Mindestüberdeckung von 1 m herausgearbeitet worden sein. Zudem deckt sich die 24.000 Jahr - Datierung mit Probemessungen an unterschiedlichen Gesteinen in der Steiermark und weist damit auf erdgeschichtliche Vorgänge hin und nicht auf das Alter einer Erdstallanlage.[7] Vermutlich hat man die herumliegende Platte im Mittelalter der Natur entnommen, ein wenig nachbearbeitet und im Erdstall verbaut. Dies wäre noch heute die typische Vorgehensweise für das Setzen einer Trockenmauer.

Der Aufsatz beinhaltet weitere Interpretationen zu Funden, die ebenfalls nur wenig mit dem heute bekannten Alter der Erdställe zu tun haben. Unterstützt von einwandfreien Zeichnungen zu geborgener Keramik, entsteht auf den ersten Blick zwar ein sehr komplexer Eindruck. Allerdings fehlen sämtliche Quellenangaben. Im Text werden lediglich Institutionen und in der Danksagung Personen erwähnt, die an den jeweiligen Arbeiten beteiligt waren. Die wissenschaftliche Methodik, insbesondere zur TCN - Datierung, wird nicht weiter erläutert.

Laut Herrn Dr. Kusch zählt der Erdstall Kandelhofer/Kandlhofer „…. heute zu den am genauesten archäologisch untersuchten Erdställen in der Steiermark.“[8] Ein erneuter Widerspruch, solange kein weiterer, fundierter Bericht mit ausreichend Quellenangaben vorliegt. Der gesamte Aufsatz ist auf ein möglichst wissenschaftliches Erscheinungsbild getrimmt, die wichtigsten Merkmale hierfür fehlen aber gänzlich. Die Vermischung wissenschaftlicher Techniken mit zahlreichen Eigeninterpretationen machen die aufgestellten Behauptungen am Ende unglaubwürdig. Möglicherweise festgestellte Tatsachen können als solche nicht mehr erkannt werden. Damit ist der Aufsatz von Herrn Dr. Kusch zum Kandel-/Kandlhofer Erdstall für eine ernst gemeinte Erdstallforschung wertlos. Die bisherige Altersbestimmung der Erdställe (ca. 800 n.Chr. bis ca. 1200 n.Chr.) bleibt unbeeinflusst.

Gemäß seiner neuen Satzung propagiert der Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V. die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege, “…unterstützt wissenschaftliche Auswertungen von archäologischen Grabungen und die Herausgabe der Jahresschrift „DER ERDSTALL“.[9] In diesem Zusammenhang sollte der Verein Dr. Kuschs Bericht zum Kandelhofer/Kandlhofer Erdstall entsprechend kommentieren, da der Arbeitskreis sonst in der Öffentlichkeit an Glaubwürdigkeit verliert.

Quellen


[1] Kusch Dr. Heinrich, Zur archäologischen Untersuchung des Kandelhofer – /Kandlhofer Erdstalles bei Puchegg, Steiermark, Österreich, in:Der Erdstall Nr.42, Neukirchen - Balbini 2016, S.12-35

[2] Weichenberger Josef, Das Alter der Erdställe, in: Der Erdstall Nr.39, Aying 2013. Internet: http://www.erdstallforschung.at/?p=641 abgerufen am 14.07.2016., Krenn Dr. Martin, Erdställe im archäologischen Kontext der mittelalterlichen Wüstung Aichenstauden, Niederösterreich, in: Der Erdstall Nr. 39, Aying 2013., Neckuda Vladimir, Erdställe in den mittelalterlichen Wüstungen Mährens, in: Der Erdstall Nr. 18, Roding 1992.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Oberfl%C3%A4chenexpositionsdatierung, abgerufen am 11.07.2016.

[4] http://www.gfz-potsdam.de/sektion/anorganische-und-isotopengeochemie/projekte/cronus-eu/ abgerufen am 11.07.2016

[5] Kusch Dr. Heinrich, - S.24

[6] Kusch Dr. Heinrich, - S.12

[7] Nachfrage per e-mail an der Karl Franzens Universität in Graz am 05.Juli 2016 durch den Verfasser.

[8] Kusch Dr. Heinrich, - S.12

[9] http://erdstall.de/satzung.html, abgerufen am 14.07.2016.

Erdstall Aying: Ziemlich teuer aber trotzdem gut !

(16.01.2017 und 08.03.2017) Die Sicherung des Erdstalles in Aying verschlingt einen ganzen Batzen Geld. Laut Münchner Merkur werden es lockere 235.000 Euro sein, die für eine bergmännische Verbauung des Erdstalles hingeblättert werden müssen. Damit wäre der Erdstall dann für die Nachwelt gesichert und eine Überbauung kann unproblematisch stattfinden. Betroffen ist dabei übrigens nur der lange Hauptgang. Der Bereich unter dem Friedhof und die Schlußkammer bleiben unberührt. Ob der Summe mag sich manch einer wundern und es wird sicher schwer sein, Nachahmer zu finden. Dennoch, ein ehrgeiziges Projekt und die Rettung der weitgehenden Substanz eines Erdstalles ! Wer die Angelegenheit genau verfolgt hat, wird am 16. Dezember 2016 einem Radiobericht mit Herrn Dr. Haberstroh (Referatsleiter BLfD München) entnommen haben, dass das Landesamt für Denkmalpflege in Zukunft Zuschüsse erteilen wird, wenn es um die Erhaltung von Bodendenkmälern geht (und Aying wurde hierbei genannt). Damit soll der Grundstückseigentümer nicht mehr auf den gesamten Kosten sitzen bleiben. Wollen wir der Freizügigkeit dieses Herrn im Landesamt Glauben schenken und uns freuen, dass die Summe für die Erhaltung des Erdstalles in Aying nicht zu einem abschreckenden Beispiel wird. Was das Landesamt an Kosten dort letztendlich übernimmt wird sich noch herausstellen. Eine Beteiligung wäre sehr wünschenswert, denn im Verbund Gemeinde, Eigentümer, Landesamt wäre die Summe vielleicht finanzierbar und am Ende doch noch ein positives Beispiel.

PR Bericht Münchner Merkur vom 08.03.2017

PR Bericht Münchner Merkur vom 16.01.2017

Höhlentier des Jahres 2017

(11.01.2017) Das Höhlentier des Jahrs 2017 ist die Vierfleck - Höhlenschlupfwespe (Diphyus quadripunctorius). Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher hat diese Schlupfwespenart zum "Höhlentier 2017" gewählt. Die Tiere überwintern in großer Zahl in Naturhöhlen, Bergwerksstollen, Felsenkellern und sicher auch in einigen Erdställen. Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe steht für eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind.

Weiter Informationen: Vierfleck - Höhlenschlupfwespe

Fernsehbeitrag: Erdställe in Viechtach

(21.11.2016) Neuer BR - Film von Sandra Wiest. In der Fortsetzung zur bereits erwähnten Aktion der IGEF im Schulbäckhaus in Viechtach, zeigt der Beitrag die Arbeiten vor Ort. Daneben werden authentische Aufnahmen aus dem Erdstall Zinkenried (Markt Teisnach, Landkreis Regen) gezeigt. Im Film wird eine gute Spannung aufgebaut und sachlich berichtet. Unbedingt sehenswert !

Neuer Erdstall im Landkreis Freyung Grafenau

(17.11.2016) Bei Bauarbeiten wurde in Mösing, Gemeinde Jandeslbrunn im Landkreis Freyung Grafenau vor wenigen Tagen durch Zufall ein Erdstall entdeckt. Der Fund liefert möglicherweise neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte des Unteren Bayerischen Wald. Es ist die erste Erdstallentdeckung in der Region um Jandeslbrunn. Der Erdstall liegt in unmittelbarer Nähe zu einem mittelalterlichen Handelsweg und wurde in grobförmigen Flins gegraben. Eine Begehung ist wegen der starken Verwitterung des instabilen Materials nur mir größter Vorsicht möglich. Bisher konnten gesamt ca. 12 m Gang mit Abzweigungen erkannt werden.

Informativer Fernsehbeitrag zum Thema Erdstall !

Aying Eingang

(29.10.2016) Aktuell und informativ berichtet Sabine Frühbuss über das Thema Erdstall. Dabei greift sie die gängigen Hypothesen zur Zweckbestimmung auf und zeigt den Einsatz moderner Vermessungstechnik. Damit entsteht ein sehr schöner Überblick zum aktuellen Forschungsstand. Absolut sehenswert !

Kein neuer Erdstall im Schulbäckhaus in Viechtach

(20.10.2016) Vergangenen Samstag konnten Mitglieder der IGEF im ältesten, noch erhaltenen Haus der Stadt Viechtach nach einem vermuteten Erdstall graben. Leider war das Ergebnis negativ. In zwei Meter Tiefe tauchte die Sohle des Schachtes im anstehenden Fels auf und zeigte Löcher einer Sprengbohrung. Auch das ausgebrachte Material deutet auf eine Sprengung hin. Warum, wer oder wann hier jemand am Werk war ist ein fast so großes Rätsel wie die Erdställe.

Vermessung des Erdstalles in Aying abgeschlossen

Plan Aying

Dieter Ahlborn (08.10.2016)

Die vom Landesamt für Denkmalpflege beauftragte Vermessung des Erdstalles in Aying wurde von der Interessengemeinschaft für Erdstallforschung IGEF abgeschlossen. Eine detaillierte Dokumentation ist in Arbeit. Der Plan zeigt deutlich eine Hilfschachtumfahrung und eine Schlusskammer mit drei Nischen. Die kreuzförmige Kammer erinnert an den Erdstall Reichersdorf. Im Grundriss ist dort dieselbe Architektur einer sehr kleinen Kammer erkennbar. Der Erdstall in Reichersdorf erhielt durch diese bei seiner Entdeckung im Jahr 1640 den Namen "Kreuzgruft" und es stellte sich eine Wallfahrt ein. Die Forschung hält dies für einen Beleg, dass die Erdställe im 30 jährigen Krieg nicht als Verstecke genutzt wurden.

Neuer Erdstall in Aying, Landkreis München entdeckt

Aying Andi Gang 1

Dieter Ahlborn (13.09.16)

Sensationell gut erhaltene Erdstallanlage in Aying, Lkr. München

Bei Bauarbeiten im Pfarrgarten der Gemeinde Aying wurde am Ende der vergangenen Woche ein beinahe vollständig erhaltener Erdstall angeschnitten. Die Anlage weist mehrere Besonderheiten auf. Gegensätzlich der bestehenden Typisierung für Oberbayern (langgezogene Gänge ohne Kammern) ist der Erdstall in Aying mit einer vergleichsweise geräumigen Schlusskammer ausgestattet. Zudem zeichnet sich im Grundriss die Umgehung eines Hilfschachtes ab. Diese Schächte, über welche zur Bauzeit des Erdstalls Material nach draußen befördert worden ist, sind bis jetzt nur aus den östlichen Regionen Bayerns bekannt. Sehr beeindruckend ist auch der etwa 40 m lange Hauptgang der Anlage (siehe Abb.).

Die Gemeinde Aying und der Pfarrverband sind sich einig, dass möglichst viele Teile des Erdstalles erhalten bleiben sollen. Die Bauplanung und die Ausführenden Arbeiter zeigen großes Verständnis. Alles in allem eine vorbildliche Zusammenarbeit. Der Erdstall wurde von IGEF Mitgliedern im Auftrag des Pfarrverbandes und des Landesamtes für Denkmalschutz vermessen. Eine Dokumentation ist in Arbeit. Weitere Informationen folgen.

Ab 24. September zeigt die Gemeinde Aying und die Brauerei Inselkammer im Sixthof eine Ausstellung zur 1225 Jahrfeier der Gemeinde, 650 Jahre Filialkirche Peiß und 50 Jahre Schutzgemeinschaft Hofoldinger Forst. In der Ausstellung werden erste Bilder zum Erdstall gezeigt sowie die Erdstallanlage im benachbarten Ortsteil Peiß dargestellt.

PR Bericht Münchner Merkur (12.09.16)

PR Bericht Süddeutsche Zeitung

PR Bericht in der tz

PR Bericht Münchner Merkur (16.09.16)

Info auf Antenne Bayern

Neues Infoblatt

(06.09.2016) Das informative Faltblatt "Erdställe, unterirdische Gänge" wurde überarbeitet und steht ab sofort zum download bereit.

Arbeitstreffen der IGEF

(30.03.16 und 07.07.2016) Vom 18. bis 19. März fand in Zwiesel das erste Arbeitstreffen der Interessengemeinschaft Erdstallforschung (IGEF) statt. Siehe Pressebericht im Bayerwaldboten.

Ein weiteres Treffen befindet sich in Planung und findet voraussichtlich im Oktober 2016 statt. Weitere Informationen folgen.

Erdstallforscher sind keine Raubgräber !

Erdställe sind Bodendenkmäler. Die Erdstallforschung, ob organisiert oder nicht, erkennt die Erdställe als solche an. Die ehrenamtliche Arbeit an einem Erdstall kann nicht als "Raubgrabung" bezeichnet werden.

Was ist ein Raubgräber ?

Wikipedia definiert wie folgt: "Eine Raubgrabung ist das gezielte Nachsuchen nach ortsfesten oder mobilen Bodendenkmälern entgegen den Rechtsnormen, die das Graben nach Bodendenkmälern regeln. In der Regel werden sie unter Missachtung wissenschaftlicher Standards durchgeführt und zerstören den Quellenwert von Funden und Befunden. Als Hauptmotiv gilt der als Antikenhehlerei bezeichnete illegale Handel mit archäologischen Funden und Kunstobjekten. (Quelle: Wikipedia, siehe auch im Link). Ein Raubgräber ist also primär jemand, der (mit Hilfe eines Metalldetektors) nach wertvollen, antiken Gegenständen sucht.

Was ist ein Erdstallforscher ?

Das Bodendenkmal Erdstall (das ist allgemein bekannt) gilt als fundleer. Es ist einer der Gründe, warum die Erdstallanlagen immer wieder verschoben und zerstört werden, auch mit amtlicher Zustimmung. Für eine beweisführende Wissenschaft wie der Archäologie sind die fundleeren Anlagen nur bedingt interessant und es kostet Geld diese amtlich zu erforschen. Es hat sich daher über die Zeit ein ehrenamtliches Engagement entwickelt, welches sich (organisiert oder unabhängig) um die Erdställe kümmert. Ziel der praktischen Erdstallarbeit ist dabei nicht das Aufspüren wertvoller Gegenstände, sondern das erfassen, vermessen und dokumentieren der Erdställe. Im Laufe der Zeit konnten so zahlreiche Dokumentationen erstellt und viele Erdställe der Nachwelt erhalten werden. Sicher ist die Situation in den verschiedenen Bundesländern und Regionen unterschiedlich, für weite Teile Bayerns darf gesagt werden, dass es ohne das über 40 jährige Ehrenamt verschiedener Erdstallforscher kaum eine erwähnenswerte Anzahl an dokumentierten oder geretteten Anlagen gäbe. Die Zahl für Bayern liegt heute bei etwa 700 bekannten Erdställen.

Der große Unterschied zwischen einem Raubgräber und einem Erdstallforscher liegt darin, dass der Raubgräber mit dem Ziel arbeitet sich zu bereichern, der Erdstallforscher dagegen investiert unentgeltlich Zeit. Er kämpft sensibel um den Erhalt und um die allgemeine Anerkennung der Erdställe als Bodendenkmal.

Die Fachzeitschrift "Bayerische Archäologie" veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe (Heft 3 / 2015) einen informativen Bericht mit dem Titel "Umgang mit Sondengängern: Kooperation oder Ausgrenzung ?"

Bayerische Archäologie Heft 3 / 2015

Die künstliche Höhle

(14.03.16 und 07.07.2016) Im ersten Quartal 2016 erschien das erste Mitteilungsblatt der Interessengemeinschaft Erdstallforschung IGEF. Weitere Informationen siehe Publikationen und Pressebericht.

Das zweite Mitteilungsblatt befindet sich in Vorbereitung. Die Drucklegung wird gegen Februar 2017 stattfinden.

Neues Buch zum Thema Rundgangerdstall !

(Oktober 2015) Neues Buch zum Thema Rundgangerdstall von Eric Clavier. Das über die Groupe de Recherches Archéologiques de la Loire veröffentlichte Buch beschäftigt sich mit den Rundgangerdställen des "Mont du Forez", dabei entwickelt Eric Clavier den Beginn einer fundierten Typisierung der Erdställe. Der Titel "Les souterrains médiévaux des Monts du Forez" (mehr siehe link).

38eme Congrès de la Société Française d’Etude des Souterrains (SFES) am Mont du Forez

Mont du Forez

(Oktober 2015) Unter dem Titel "Monde rural & Espaces souterrains" (Die ländliche Bevölkerung und ihr unterirdischer Raum) organisierte in diesem Jahr Eric CLAVIER, Vizepresident der "Groupe de Recherches Archéologiques de la Loire (G.R.A.L.)", den 38ten Kongress der SFES im französischen St-Bonnet-le-Coureau / Mont du Forez. Das spannende Leitthema waren die Rundgangerdställe. Dieser Erdstalltyp kommt beinahe ausnahmslos in Zentralfrankreich und im Österreichischen Wald- und Weinviertel vor. Dazwischen liegen mehr als 1000 km Luftlinie. Parallelen in der Siedlungsgeschichte konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Warum wurden die Erdställe gerade in diesen Gebieten mit einem Rundgang am Ende einer Anlage ausgestattet ? Eine Antwort ist bis heute nicht möglich. Weitgehende Einigkeit besteht darin, dass dieser Erdstalltyp nicht als Versteck geeignet ist. Bleibt die Überlegung einer speziellen Lagertechnik oder eben die Möglichkeit einer kultischen Zweckbestimmung. Um einer Antwort näher zu kommen sind Vergleiche der Grundrisse und eine eingrenzende Klassifizierung, Vergleiche in der jeweiligen Landesgeschichte und eine Untersuchung der immateriellen Funde wie den überlieferten Erzählungen notwendig. In den Sagen der ländlichen Bevölkerung haben sich oft wichtige Informationen über die Jahrhundert bewahrt.

Ist das Rätsel der Erdställe gelöst ? Ein Kommentar zum Buch von Manfred Böckl, "Das Mysterium der Erdställe".

Wer sich mit den geheimnisvollen Erdställen beschäftigt freut sich über jeden Titel zu diesen eigentümlichen, unterirdischen Ganganlagen, denn sie werden nur selten ausführlich genug beschrieben. Zu genauerem Hinsehen veranlasst der Titel des neu erschienenen Buches von Manfred Böckl: „Das Mysterium der Erdställe. Das Geheimnis der Schratzellöcher, Zwergengänge, Wichtelhöhlen wird enträtselt“. Immerhin gelten die Erdställe nach wie vor als eines der letzten ungelösten Rätsel unseres Kulturkreises.

Beim Aufblättern des Buches wird klar, dass Böckl das Rätsel völlig ohne Quellenangaben gelöst hat. Außer dem ein oder anderen kleinen Hinweis im Text finden sich im gesamten Werk weder Quellen noch Anmerkungen. Das ist sehr schade, denn somit liefert das Buch keine handfesten oder brauchbaren Belege für irgendeine widerlegte oder neue erdachte Zweckbestimmung zu den Erdställen. „Das Mysterium der Erdställe“ ist nicht viel mehr als eine interessante Geschichte aus der Feder eines Romanautors. In Kurzgeschichten werden auch die gängigen Theorien erzählt, die aber sehr an den Haaren herbeigezogen wirken. So findet zum Beispiel die Adelsfamilie des Schlosses Egg keinen Ausgang im Erdstall, als sie sich bei Feindangriff in diesen flüchtet. Sie wussten aber genau, dass sie sich im Notfall dort hinein zu begeben hatten. Böckl nimmt scheinbar an, die Adelsfamilie hätte vorher nicht überprüft, was im Ernstfall zu tun ist.

Das Kapitel „Die gesicherten Fakten über Erdställe“ kann der Autor nur nach flüchtigem Durchblättern gängiger Quellen geschrieben haben (angeblich beschäftigt er sich aber seit Jahrzehnten mit dem Rätsel der Erdställe), denn weder die Verbreitung noch das angenommene Alter der Erdställe wird korrekt wiedergegeben. Ein Kapitel weiter versucht Böckl die bestehenden Hypothesen zu widerlegen, dabei wurde wiederum eine dem Leser unbekannte Quellenliteratur nicht ausreichend studiert. Die auf der Zeit der Völkerwanderung basierende Leergräbertheorie Karl Schwarzfischers wird von Böckl in christlichem Kontext ausgelegt. Den Überlegungen des Erdstallforschers Anton Haschner zu frühchristlichen Seelenkammern (der Erdstall als Warteraum der Seelen auf das Jüngste Gericht, als es noch keinen Glauben an das Fegefeuer gab) widerspricht Böckl mit der Annahme, dass um das Jahr 1000 n. Chr. die Menschen soweit christianisiert und der Fegefeuerglaube damit so weit etabliert war, das die Erdställe auf keinen Fall für diesen Zweck gegraben worden sein können. Eines der Hauptargumente Böckls zur Enträtselung der Erdställe ist aber gerade, dass die Menschen um das Jahr 1000 eben keineswegs weitgehend missioniert waren und noch ausreichend keltisches Gedankengut mit sich trugen um die Erdställe im keltischen Sinne zu nutzen. Dies ist dann auch Böckls Idee: In der Schlusskammer, die aus heidnischer Sicht als Anderswelt gesehen wurde, fanden Rituale statt, um das Wesen der heidnischen Göttinnen und Gottheiten zu spüren oder den verstorbenen Ahnen zu begegnen. Böckl hält dabei auch Meditationen tief im dunklen Schoss der Erde für möglich, sogar unter Einnahme bestimmter Drogen, um den Gottheiten besonders nah zu kommen. Die Verbindung Erdstall und Schamanismus ist dabei gedanklich nicht völlig abwegig. Eines hat der Romanautor Manfred Böckl am Ende aber vergessen. Bei genauem Studium der Erdstallliteratur wird klar, dass es sehr viele Erdställe gibt, die überhaupt gar keine Kammern besitzen oder zumindest keine entsprechend geräumige Schlusskammer. Zudem sind neu entdeckte Anlagen immer fundleer und zeigen im Originalzustand keinerlei Spuren irgendwelcher Abnutzung (weder in den Gängen noch an Schlupfen), was zur Annahme führen muss, dass die Erdställe nie betreten worden sind.

Alles in allem hätte das Buch bei entsprechender Quellenangabe in manchen Teilen Potential, zum Beispiel betreffend des Bestandes keltischen Gedankengutes in der Zeit des Mittelalters. Um die Überlegungen über die Zweckbestimmung fortzuführen bietet es durchaus Anregungen. Für eine seriöse Erdstallforschung ist es aber unbrauchbar.

Erdstall im Lkr. Ebersberg entdeckt

Einsturzstelle am Erdstall Bichl auf einem Acker

Der im Frühjahr 2014 entdeckte Erdstall liegt in einem Acker nahe einer abgegangenen Hofstelle der Einöde Bichl, Gde. Aßling, Lkr. Ebersberg. Das Hauptgebäude der Hofstelle ist in den 1980er Jahren abgebrannt, ein baufälliges Nebengebäude wurde in den letzten Jahren abgerissen. Eine früherer Kirchenstandort ist an dieser Stelle nicht belegt. Ein ehemaliger Herrensitz wäre auf Grund der Ortslage möglich, wird aber in der Literatur nicht erwähnt. Der Acker (und die ehemalige Hofstelle) liegt am Hochufer der Attel. Der Erdstall ist in den Sand gegraben und weist an 3 Stellen Verstürze auf. Die geringste Überdeckung der aufgefundenen Gangfragmente liegt bei ca. 1,80 m. Die Gänge sind im Spitzbogen gearbeitet und zum Teil bis fast an den Giebelansatz mit feinem Sand zugeschwemmt. Die Gangbreite ist mit ca. 50 cm verhältnismässig eng. Es wurden zusammengerechnet ca. 12 m Gang, 1 Vertikalschlupf, 1 Sitznische und einige Lichtnischen erkannt. Im Erdstall befanden sich keinerlei Funde. Das Erdstallfragment wurde soweit wie möglich vermessen und gesichert. Eine Dokumentation ist in Arbeit, die Erstveröffentlichung ist für 2015 geplant. Ob das Fragment des Erdstalles in Bichl langfristig erhalten werden kann ist fraglich, da der geologische Untergrund fragil ist und die Oberfläche weiterhin intensiv landwirtschaftlich bewirtschaftet wird.

Erdställe in Israel ?

Erdstall in Israel

In jüngster Zeit wurde ein weiteres Verbreitungsgebiet der Erdställe bekannt. In den altisraelischen Gebieten Judäas scheint der Bau unterirdischer Anlagen eine reiche Tradition gehabt zu haben (Abb.: Als Lagerraum bezeichnete Kammer in der Anlage von H. Tabaq , Israel. Rechts im Bild ein Vertikalschlupf mit rechteckiger Vertiefung für eine Abdeckung. Foto: Boaz Zissu). Die als Versteck gedeuteten Anlagen haben alle notwendigen Merkmale der Erdställe und sind insbesondere vergleichbar mit verschiedenen Anlagen in Frankreich. Dort wurden sie, ebenso wie in Israel, nicht selten in Verbindung mit Nutzbauten erstellt, bzw. unterirdische Nutzbauten wurden zu Erdställen erweitert und in der Regel ebenso meist als Versteck interpretiert.

Die Entstehung der unterirdischen Anlagen in Israel wird von den Archäologen vor oder in die Zeit des Bar-Kochba-Aufstandes gelegt. Dieser Aufstand fand von 132 bis 136 n. Chr. statt und bedeutete nach dem ersten jüdischen Krieg (66 bis 73 n. Chr.) die endgültige Zerstörung der noch verbliebenen Reste eines geschlossenen, jüdischen Siedlungsgebietes. Der Bar-Kochba-Aufstand gilt als Auslöser der Diaspora. Das jüdische Volk, oder das was von ihm noch übrig geblieben war, wurde heimatlos. Wer die Massaker überlebt hatte und nicht fliehen konnte, wurde in die Sklaverei verschleppt.

Für die Zeit zwischen dem Niedergang der altjüdischen Kultur Israels bis zu den ersten Judenverfolgungen im Mittelalter gibt es keine lückenlose Berichterstattung zur Geschichte des jüdischen Volkes nördlich der Alpen. Die ersten größeren Siedlungen nach der Diaspora sind zunächst in Spanien, dann in Nordwestfrankreich und in der Rheinregion belegt. In diesen Gebieten gibt es auch Erdställe. Der größte der jüdischen Stämme, das Volk der Aschkenasim ist von Osten her nach Böhmen und Bayern eingewandert. Es gibt Überlegungen, welche die Erdställe mit „slawischen“ Einwanderungen nach Bayern in Verbindung bringen und einige wenige sehen sogar einen Zusammenhang zwischen den Erdställen und dem Sklavenhandel. Tatsächlich erhielten die Juden 825 n. Chr. von Ludwig dem Frommen die Privilegien für einen Sklavenhandel zwischen Spanien und Böhmen.

War es das jüdische Volk, den Datierungen der Anlagen in Israel folgend, welches die Idee des Erdstallbaus geboren hatte und nach Mitteleuropa brachte ? Als Versteck oder Kultstätte könnten sie von einem traumatisierten, heimatlosen Volk über Jahrhunderte hinweg in geheimem Wissen immer wieder erbaut oder überliefert worden sein. Schließlich wird durch die kulturelle Isolation der Juden das Fehlen jeglicher Hinweise zu den Erdställen in der historischen Literatur völlig plausibel. Zudem ist die flächige Verbreitung der Erdställe so lückenhaft wie es nur ein regionales Brauchtum sein kann, welches von einer bestimmten Volksgruppe über die Jahrhunderte hinweg getragen wird.

Lesen Sie einen Beitrag (in englischer Sprache) zu den Erdställen in Israel von Boaz Zissu und Amos Kloner, Land of Israel and Archaelogy Department, Bar Ilan University. Erstveröffentlichung in: Der Erdstall Nr. 40. Aying 2014. (Siehe auch unter Medien/Download)

Erdstall im Zentrum von Wien entdeckt

Erdstallfunde in Großstädten sind extrem selten. Mitte März 2015 wurde in Wien im dritten Bezirk ein Erdstall bei Bauarbeiten aufgedeckt und von der Wiener Stadtarchäologie untersucht. Siehe Bilderstrecke der Wiener Zeitung.